Atemschutzgerät

Einen immer größeren Stellenwert in der Arbeit der Feuerwehr hat in den letzten Jahren die Arbeit unter schwerem Atemschutz bekommen. Durch den Einsatz von Kunststoffen in allen Bereichen des Lebens entsteht praktisch bei jedem Brand gefährlicher und gesundheitsschädlicher Rauch. Um dabei überhaupt effektive Hilfe leisten und Menschen, Tiere und Sachwerte retten zu können, kommen bei der Feuerwehr Atemschutzgeräte zum Einsatz, die mit Umgebungsluft – nicht wie oft gemeint mit Sauerstoff – gefüllt sind.

Um bei der Feuerwehr mit Atemschutz arbeiten zu können, werden an die Einsatzkräfte einige persönliche und fachliche Anforderungen gestellt. So muss die Atemschutzgeräteträgerin oder der Atemschutzgeräteträger mindestens 18 Jahre alt sein, sie oder er sollte das 50. Lebensjahr nicht überschritten haben. Für diese Tätigkeit ist ein hohes Maß an körperlicher Fitness erforderlich, schließlich wiegt ein Atemschutzgerät bis zu 17 Kilogramm. Einen Bart dürfen Atemschutzgeräteträger nicht tragen, denn dadurch kann es zu Undichtigkeiten im Bereich der Atemschutzmaske kommen.

Vor Beginn des Lehrgangs muss die gesundheitliche Eignung durch eine Untersuchung nach arbeitsmedizinischen Grundsätzen erfolgen, die regelmäßig alle drei Jahre wiederholt werden muss. Zusätzlich ist jährlich eine theoretische Unterweisung, eine einsatzmäßige Übung sowie mindestens eine Übung in der Atemschutzstrecke des Kreises Goslar, untergebracht in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Goslar, vorgeschrieben. Diese Übung besteht aus einem „Aufwärmteil“, der sich aus dem Besteigen einer Endlosleiter, einem Endloslaufband, Hammerziehen, besteigen des 4 Stöckigem Schlauchturms und / oder dem Fahrradergometer zusammensetzt.

Anschließend muss ein Labyrinth aus Käfigen, das abgedunkelt und aufgeheizt wird, durchkrochen werden. Ein Durchgang durch die gesamte Übungsstrecke dauert in der Regel knapp 30 Minuten und entspricht damit der Einsatzzeit eines Atemschutzgerätes

Erfüllt ein Feuerwehrangehöriger diese Voraussetzungen, so wird sein Helm mit einem roten Aufkleber gekennzeichnet. Dadurch wird gerade im hektischen Einsatzgeschehen schnell deutlich, wie viele Atemschutzgeräteträger zur Verfügung stehen.

Im Einsatz- und Übungsfall werden immer mindestens zwei Atemschutzgeräteträger gemeinsam eingesetzt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass man sich nicht nur in Notsituationen gegenseitig helfen kann. Über ein tragbares Funkgerät wird der „Außenwelt“ die jeweilige Lage im Innenangriff mitgeteilt, zusätzlich wird über die Schlauchleitung oder eine Rettungsleine der Rückweg gesichert.

Wird ein Innenangriff unter Atemschutz durchgeführt, so hält man im Außenbereich immer einen mindestens gleichwertig ausgerüsteten Sicherheitstrupp vor, der im Notfall nur noch das Atemschutzgerät anschließen muss und sofort zur Rettung eingesetzt werden kann. Bei größeren Einsätzen werden die unter Atemschutz eingesetzten Einsatzkräfte an einer Sammelstelle zentral registriert und dokumentiert.

Die in den letzten Jahrzehnten zur Anwendung kommenden Baumaterialien stellen die Feuerwehr vor weitere große Gefahren und Probleme. Durch die wesentlich verbesserte Isolierung der Gebäude ist fast keine Frischluftzufuhr mehr gegeben. Das führt dazu, dass die in der Wohnung befindlichen Gegenstände im Brandfall „ausgasen“. Der sich bildende Brandrauch wird dabei so heiß, dass er nach einer gewissen Zeit selbst brennt. Hierbei kommt es dann schnell zu einer Durchzündung der Gase, die auch als „Flash Over“ bezeichnet wird.

Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, ist neben einer ausgeklügelten Taktik in der Brandbekämpfung auch eine spezielle Schutzkleidung nötig, die zwar gut gegen Hitze und Kälte schützt, dem Körper aber auch gleichzeitig zusätzliche Leistung abverlangt. Feuerwehrkräfte, die unter Atemschutz tätig waren, haben einen hohen Flüssigkeitsverlust zu verzeichnen, der unbedingt nach Beendigung des Einsatzes wieder hergestellt werden muss.

Einen zusätzlichen Schutz bieten die seit einigen Jahren angewendeten „Totmannwarner“, die an den Atemschutzgeräten befestigt sind. Geht ein Feuerwehrangehöriger in den Einsatz, so wird dieses Gerät durch Entfernen eines Schlüssels aktiviert. Sollte der Einsatzkraft etwas zustoßen oder kommt es aus sonstigen Gründen nicht zu einer Körperbewegung, wird ein akustischer Voralarm ausgelöst, der sich allerdings durch eine Bewegung wieder zurückstellen lässt. Erfolgt keine Regung, so wird aus dem Voralarm ein lautes akustisches Signal, das dem dann eingesetzten Sicherheitstrupp das Auffinden der Person erleichtert. 

Wie man sieht, steckt eine ganz Menge Ausbildung, Können und Arbeit hinter den oft unheimlich anmutenden „Marsmännchen“, die häufig auf Einsatz- und Übungsbildern zu sehen sind.

>> Bericht über ein Ausbildungsdienst der Atemschutzgeräteträger (AGT) <<


PA